Aimé Michel - Zum 100. Geburtstag

von Ulrich Magin

Am 12. Mai 1919 wurde Aimé Michel in Saint-Vincent-les-Fort in den französischen Alpen geboren. Er wäre diesen Monat also 100 Jahre alt geworden und kann als der bedeutendste Vertreter der wissenschaftlichen UFO-Forschung in Europa gelten, zu einer Zeit, als psychosoziale Aspekte noch kaum diskutiert wurden.

Michel kann als einer der ersten wissenschaftlichen UFO-Forscher verstanden werden, der zwar von der Überzeugung ausging, dass es sich bei den „fliegenden Untertassen“ um außerirdische Besucher handelte, der aber weit entfernt davon war, alles blind zu glauben oder skeptische Erklärungsansätze einfach so beiseite zu wischen. Breiten Raum nehmen in seinen Büchern beispielsweise die (wie wir heute wissen: oft falschen) Erklärungsversuche von Donald Menzel ein, ohne dass Michel je in Polemik abgleitet. Michels bekanntester Beitrag zur UFO-Forschung ist seine These von der Orthotenie, die Feststellung, dass Sichtungen eines Tages innerhalb eines bestimmten geografischen Bereiches auf gerade Linien fallen (andere Forscher haben dieses „Phänomen“ so weit aufgeweicht, dass sie alle Sichtungen eines Landes bemühten, um Orthotenien zu erstellen, Michel achtete streng darauf, dass sie sich innerhalb von 24 Stunden ereignet hatten). Das war ein ernsthafter Versuch, über ein rationales Instrument zu verfügen, mittels dessen „echte“ von „falschen“ UFO-Begegnungen geschieden werden können. Da zur Erstellung der Linien aber der Ort des Beobachters gewählt wurde, nicht der Ort des UFOs, und weil die Netzwerke, die Michel fand, durch Zufall adäquat erklärt werden konnten, gestand Michel später ein, dass die Orthotenie ein Irrweg war. Danach nahm er nicht mehr an, dass das UFO-Rätsel als solches aufgeklärt werden könne, 1980 gab er deshalb die Ufologie auf.

Michels bekannteste Bücher sind seine beiden Beiträge zur UFO-Debatte. „The Truth about Flying Saucers“ (1954) war eine Einführung in die Geschichte des UFO-Phänomens in den Vereinigten Staaten und Europa von 1947 bis 1952, mit der Darstellung der wichtigsten Fälle sowie der wichtigsten Erklärungsansätze (von Außerirdischen bis zu konventionellen atmosphärischen Phänomenen); „Flying Saucers and the Straight Line Mystery“ (1958) stellt die anlässlich einer Untersuchung der französischen Welle vom Herbst 1954 erstmals die Orthotenie vor und ist zudem das erste Buch außerhalb der Kontaktliteratur, das sich ausgiebig mit Erfahrungen mit Humanoiden beschäftigt. Gerade das zweite Buch ist ein
äußerst elegant geschriebenes, pures Lesevergnügen. Michel verfasste aber auch zahlreiche Artikel für die englische „Flying Saucer Review“, darunter Berichte über die Landung von Valensole und den geheimnisvollen Fall des „Mister X“, der mutmaßlich nach einer Nahbegegnung unter Krankheiten und Hautproblemen litt.

Michel war zwar Philosoph, vor allem aber Wissenschaftsjournalist, und er ging – wie viele Naturwissenschaftler – mit anekdotischem Material so um, als handle es sich um Laborberichte. Hätte er etwas mehr von soziologischen und psychologischen Aspekten des Phänomens geahnt, er hätte sicher auch hier wertvolle Beiträge geleistet. Michel, Mathematiker, Parapsychologe und Philosoph, war eng mit den französischen Surrealisten vernetzt. Am 28. Dezember 1992 starb er in dem Dorf, in dem er geboren worden war.

Weitere Infos (englischsprachig) findet man unter http://www.euroufo.net/2019/05/100-years-ago-aime-michel-was-born/

Stanton T. Friedman verstorben

Der in der UFO-Szene weltbekannte amerikanische Roswell- und UFO-Forscher Stanton T. Friedman ist im Alter von 84 Jahren, am Montagabend (13. Mai), verstorben. 1934 in New Jersey geboren, begann sich Friedmann Ende der 1950er Jahre, das goldene Jahrzehnt der Fliegenden Untertassen Hysterie, sich mit dem Phänomen auseinanderzusetzen und trat verschiedenen amerikanischen Vereinigungen bei. Ende der 1970er Jahre gehörte Friedman zum Team um Berlitz und Moore, die den Roswell-Zwischenfall von 1947 aus der Versenkung holten und obwohl Friedman die Triebfeder bei den Recherchen war und die Indizien zutage förderte, waren es letztendlich Berlitz und Moores Namen die auf dem vielleicht berühmtesten UFO Buch aller Zeiten „The Roswell Incident“, ragten.

Dennoch schaffte es Friedman in den Jahren danach sich aus der zweiten Reihe ins Rampenlicht der internationalen UFO-Szene zu spielen. Geholfen hat ihm hierbei auch sein akademischer Rang, der ihm, wie bei so vielen Personen mit Titeln oder vertrauenswürdigen Berufen (Polizisten, Piloten...), innerhalb der UFO-Szene den Nimbus des Aufrichtigen einbrachte, ganz egal in welchem Zusammenhang Beruf und Hobby zueinander stehen. Friedman war es auch, der ab 1987 die Majestic-12 Dokumente, nachweisliche Fälschungen, weltweit bekannt machte. Und auch wenn Friedman selbst nichts mit der Fälschung der Dokumente zu tun hatte, schaffte er es nie sich von diesem Skandal zu distanzieren und versuchte Zeit seines Lebens die Dokumente zu verteidigen. 

Bis zuletzt, nach über 50-jähriger Beschäftigung, beharrte Friedman auf einem außerirdischen Hintergrund des UFO-Phänomens, dem er sich ab 1969 quasi "hauptberuflich" durch Bücher und Vortragstouren widmete. Er war zweifelsfrei eine der prägendsten Figuren des UFO Mythos des 20. Jahrhunderts und fast jeder der bekannten us-amerikanischen UFO-Fälle wurde durch sein Zutun zu einem modernen Klassiker des Raumfahrtzeitalters.

Vor 20 Jahren, 1999, führte ufoinfo.de-Mitbegründer Dennis Kirstein für sein damaliges „E.lekT.ronisches  UFO-Magazin“ ein Interview mit Stanton T. Friedman. Hier einige Auszüge daraus:

1. Wie haben Sie einst Interesse am UFO-Phänomen gefunden?

Friedman: 1958, als ich als junger Nuklearphysiker an einem Nuklearflugzeug arbeitete, las ich Captain Edward Ruppelt´s Buch „The Report on UFOs“. Danach las ich noch 15 weitere Bücher, einige von Ihnen waren Müll. Des Weiteren entdeckte ich „Project Blue Book Special Report 14“ an der Universität von Kalifornien in Berkeley, trat der APRO und NICAP bei und besuchte die Abteilung für ausländische Technologie auf der Wright Patterson Air Force Base ein paar Mal. Ich hielt meinen ersten Vortrag 1967 und ich bekam begeisternde Antworten von professionellen Organisationen zu meiner Vorlesung „Flying saucers are real!“, was mich dazu ermutigt hat mich ganz auf das UFO-Phänomen zu konzentrieren und aus meiner anderen Tätigkeit als Nuklearphysiker auszusteigen. Bis heute hielt ich über 700 Vorträge in 15 Ländern, schrieb mehr als 70 Artikel, dazu 2 Bücher und machte mehrere Videos und später auch eine CD-Rom. Die steht alles auch in meinem Buch „Top-Secret/Majic“.

 

2. Glauben Sie an die Existenz von UFOs? Falls ja, was steckt in Ihren Augen hinter dem Phänomen?

Friedman: Jeder wird mir zustimmen, dass es UFO-Sichtungen gibt und die meisten Sichtungen sich als Identifizierte fliegenden Objekte erweisen. Die Frage muss deshalb lauten: Sind eine UFOS intelligent gesteuerte, extraterrestrische Raumschiffe? Meine Antwort darauf ist: Ja. Die Beweise sind überwältigend, dass einige UFOs fremde (außerirdische) Raumschiffe sind. Viele sind es aber auch nicht. Ich bin ein Nuklearphysiker, glaube ist nicht meine Aufgabe. Fakten, Daten und Beweise sind das Material, mit dem ich mich in vielen meiner Artikel befasse. Einige UFOs sind fremde (außerirdische) Raumschiffe. Der Rest teilt sich, nach der Untersuchung der Fälle, in alle Arten von identifizierbaren Objekten ein.

 

3. Was macht den Roswell-UFO-Absturz so glaubwürdig für Sie?

Friedman: Mehr als 20 Jahre detaillierter, teurer und zeitaufwendiger Untersuchung des Falles hat mich davon überzeugt. Ich bin besonders beeindruckt von der hohen Qualität des militärischen Personals wie General T.J. DuBose, Major Jesse Marcel und Lt. Haut. Und die vielen anderen genauso wie z.B. Loretta Proctor, Dr. Jesse Marcel jr., Judd Roberts, Bill Brazel jr. Etc., wie ich in meinem Buch „Crash at Corona“ beschrieben habe.

 

4. Was ist dann ihre Meinung zur offiziellen Erklärung „Projekt Mogul“ hinter dem Roswell Zwischenfall?

Friedman: Wie in meinem 28 Seiten langen Artikel „The Roswell Incident, the USAF and New York Times” beschrieben, halte ich die Mogul Erklärung für absoluten Schwindel und von der US Air Force erfunden. Die Beweise für Projekt Mogul passen nicht.  Ein Beispiel: Die Air Force behauptet die Wrackteile wurden am 14. Juni 1947 entdeckt. Meine Recherchen aber ergaben Anfang Juli 1947, über 2 Wochen danach.

Zeitmaschinen aus der Zukunft?

Derzeit sorgt ein amerikanischer Wissenschaftler mit der Schlagzeile, UFOs seien Zeitmaschinen aus der Zukunft, für Aufsehen. Es handelt sich dabei um Dr. Michael P. Masters, Professor an der Montana Tech-Universität. Im Rahmen seines Buches über UFOs hat er als Anthropologe Erzählungen über Aliens untersucht. Grundlage seiner Hypothese sei demnach die seiner Meinung nach häufig übereinstimmende Darstellung der Außerirdischen als uns ähnliche Humanoide, die zudem in unserer Sprache kommunizieren würden. Demzufolge liesen sich UFOs als Phänomen erklären, bei dem "unsere entfernten Verwandten in der Zeit zurückreisen, um uns in unserer evolutionären Entwicklung zu studieren", so Masters in einem Interview mit dem Sender kxlf.com.
Das lt. des deutschen Artikels in Arbeit befindliche Buch ist tatsächlich bereits fertiggestellt und über Amazon (USA) beziehbar. Es trägt den Titel "Identified Flying Objects: A Multidisciplinary Scientific Approach to the UFO Phenomenon". Was auf den ersten Blick verwirrend erscheint, stellen identifizierte Flugobjekte gemeinhin identifizierte UFO-Sichtungen mit natürlichem Urspung dar, ist auf den zweiten Blick, zumindest aus Sicht des Autors, konsequent, da als Zeitmaschinen betrachtete UFOs als solche identifiziert wären, ebenso wie außerirdische Raumschiffe genaugenommen keine UFOs im Sinne von unidentifiziert, sondern eben als Raumschiffe identifiziert wären.

Meckelburg_Besucher aus der Zukunft_CoverAuch wenn uns sein Buch derzeit nicht vorliegt, scheinen uns dennoch einige Anmerkungen angebracht. So erscheint die stellenweise als neu bezeichnete Theorie dem kundigen Forscher als durchaus nicht so neu. Auch wenn für die Anhänger einer hinter dem Phänomen steckenden fremden Intelligenz die These der außerirdischen Besucher als führend angesehen wird, so gab es schon in der Vergangenheit alternative Überlegungen, dass es auch Besucher aus (unserer) Zukunft sein könnten. Ein prominenter Vertreter im deutschsprachigen Raum war hierzu der inzwischen verstorbene Autor Ernst Meckelburg, der neben Büchern zu anderen grenzwissenschaftlichen Themen auch ein Buch über UFOs mit dem Titel "Besucher aus der Zukunft" (s. Cover-Abb.) schrieb, das eben jene These zum Inhalt hatte und bereits 1980 erschien. Dabei argumentierte er aber nicht aus einem anthropologischen Standpunkt heraus, sondern aus physikalisch-technischer Sicht, wie sich derartige Zeitreisen realisieren liesen. Letztlich führte diese These aber immer ein Nischendasein.

Ein inhaltlicher Kritikpunkt ergibt sich für uns aus der Annahme des Autors, dass Personen mit Nahbegegnungen bzw. Kontakten mit fremden Wesen diese immer in uns ähnlicher, humanoider Weise beschreiben würden. Als Anthropologe schließt er daraus auf eine evolutionäre Verwandtschaft mit uns als eine zukünftige From des Homo Sapiens. Betrachtet man oberflächlich aktuellere Erzählungen solcher Nahbegegnungen, so erscheint dies, aufgrund der häufig geschilderten humanoiden "Grauen", erstmal als durchaus nachvollziehbar.
Betrachtet man jedoch die gesamte UFO-Historie bzgl. geschilderter Nahbeobachtungen bzw. Erfahrungen seitens "Kontaktler" oder "Entführten", so ergibt sich schnell ein anderes und vor allem völlig uneinheitliches Bild in der Beschreibung fremder Wesen. Tatsächlich zeigen die Beschreibungen ein breites Panoptikum seltsamer Wesen in allen möglichen Formen, das sich zudem über die Jahrzehnte veränderte und immer auch ein Abbild des Zeitgeistes ist. Zudem hätten mehrere Fälle auf eine außerirdische Herkunft hingewiesen. Nicht zuletzt ist die Vielzahl an beobachteten, unterschiedlichen Formen der Wesen auch immer ein Kritikpunkt von Skeptikern, die dies als eher unwahrscheinlich einstufen.
Beispielhaft seien drei markante Beispiele genannt: Anfang der 1950er Jahre schlanke, hoch gewachsene, blondhaarige so genannte "Venusier", 1954 die haarigen Zwerge von Venezuela, 1955 die grünen Kobolde von Hopkinsville, oder 1974 die Pascagouala-Entführung mit großen, augenlosen roboterähnlichen Wesen mit sehr langen Armen und zweifingrigen Klauen (s. Abb. unten).



Eine chronologische Übersicht mit typischen Beschreibungen fremder Wesen über die Jahrzehnte findet sich auf der so genannten "Alien Timeline" des amerikanischen Forschers Joe Nickell, die die unterschiedlichen Typen beispielhaft zeigt (s.u.). Einen groben Überblick bietet auch der Blog "Blue Blurry Lines". Ebenso einen Blick dazu wert ist die Präsentation "UFO Occupants" auf SlideShare. Sehr plakativ in dem Zusammenhang waren auch die "UFO" Comic-Taschenbücher in den 1970er Jahren, die auf den US-amerikanischen Comics "UFO Flying Saucers" basierten und zeitgemäß die bis dahin bekanntesten Kontaktfälle und Nahbegegnungen comichaft illustrierten und wo man die typischen "Grauen" vergeblich sucht. Auch die angesprochene Kommunikation in "unserer Sprache" lässt sich daraus zumindest nicht als typisch ableiten. Sofern überhaupt eine Kommunikation stattfand, so soll diese vorzugsweise eher symbolisch mittels Zeichen oder telepathisch stattgefunden haben. Eine sprachlich verständliche Kommunikation war eher selten und gab es insbesondere bei den frühen Nahbegegnungen der so genannten "Kontaktler" der 1950er Jahre, als diese in deren Raumschiffen nach eigener Aussage mitfliegen durften.


Quelle: NUFOC


Strieber_Die Besucher_CoverDie heutzutage gerne zitierten, typischen "kleinen Grauen" kamen Ende der 1980er Jahre auf und werden seither auch medienseitig bevorzugt als Stereotyp zu dieser Thematik verbreitet. Maßgeblich wurde dies auch durch den amerikanischen Autor und behauptetem Entführungsopfer Whitley Strieber und sein Buch Communion (dt: Die Besucher) von 1988 beeinflusst, auf dessen Cover das markante Gesicht eines "grauen" Aliens mit den typischen schwarzen Augen prangt (s. Cover-Abb.). Dies zeigt aber auch ein zweites Problem in diesem Zusammenhang, nämlich die medienseitig beeinflusste Wiedergabe dessen, was die Erzählungen ursprünglich beeinhalteten, und eher einer Aufbereitung aus Marketinggründen gleicht, als der getreuen Wiedergabe der ursprünglichen Erzählung. Leider etwas, das uns auch bei der medienseitigen Wiedergabe von UFO-Sichtungen allgemein oft begegnet. So liegt eine Originalzeichnung von Strieber gegenüber dem schwedischen Forscher Clas Svahn von der AfU aus 1988 vor, das ein Alien zeigt, das deutlich von dem stereotypen Alienbild abweicht (behaart im Overall, s.u.). Ebenso zeigt sich dies bei dem bekannten Fall von Betty und Barney Hill von 1961, zu dem neuere Abbildungen in den Medien auch eher dem typischen "Grauen" gleichen, als den Originalzeichnungen, die sich zu Beginn selbst zwischen den beiden Beteiligten unterschieden (teilweise behaart, mit Mützen, s.u.). Hier kann man auch über eine gegenseitige Beeinflussung zwischen Medien und Beteiligten diskutieren.

Vergleich_Strieber_Hill_frühe zeichnungen

In jedem Fall zeigt sich, dass sich die Beschreibungen über die Zeit verändert haben. Seien es Humanoide, Monster, Roboter, Reptilienartige oder wie jetzt die kleinen Grauen. Letztlich neigen wir immer auch dazu, dem mehr Aufmerksamkeit zu schenken, was unseren Erwartungen und dem jeweiligen Zeitgeist entspricht. Diejenigen, die uns diese Erzählungen berichten, wie UFO-Untersucher oder Journalisten dienen hier auch als Filter und Redakteure dessen, was wir erwarten zu hören. Insofern böte die Frage der Beschreibungen fremder Wesen mehr Ansatzpunkte für eine soziologisch-kulturelle Betrachtung als für eine anthropologische.
Zumindest kann die Annahme der übereinstimmenden humanoiden Beschreibung fremder Wesen aus Nahbeobachtungen oder Kontakten in Zweifel gezogen werden, was die Frage aufwirft, ob der herangezogene und als gegeben angesehene Datenbestand auf Gütekritierien, wie Validität und Reliabilität, überprüft wurde und in sich so auch stimmig ist. Ganz abgesehen von der Frage der Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit der Erzählungen sowie alternativer, auch psychologischer, Erkärungshypothesen.

Eine andere Diskussion bietet die Frage, inwieweit ein uns ähnliches humanoides Aussehen fremder Wesen für Außerirdische eher unwahrscheinlich wäre. Hierzu gibt es unter Wissenschaftlern eine breite Diskussion und unterschiedliche Ansichten. Immerhin erscheint für eine uns vergleichbare technische Zivilisation, die von einem erdähnlichen Planeten stammt und Raumfahrt betreibt, eine humanoide Grundform als durchaus wahrscheinlich, basierend auf der Theorie der konvergenten Evolution. Demnach würde die Evolution unter vergleichbaren (Umwelt-)Bedingungen auch vergleichbare Ergebnisse hervorbringen.

Quellen/Links:
Sind Aliens Beobachter aus der Zukunft? Dieser Professor hält Ufos für Zeitmaschinen
MT Tech professor claims UFOs are time machines from future
Identified Flying Objects: A Multidisciplinary Scientific Approach to the UFO Phenomenon
UFOs and Alien Monsters from Outer Space
UFO Occupants
UFO Flying Saucers Comics
Baupläne - Wie sehen Außerirdische auf einem Erdzwilling aus?

Fotos ohne Quellenangaben entstammen dem eigenen Archiv.

Deutschlands größtes UFO Archiv online

Wir haben nach 4-jähriger Arbeit das Projekt an Deutschlands größtem UFO Archiv abgeschlossen. Von nun an finden Interessierte auf ufo-information.de das so genannte „CENAP Report Archiv“, welches die gesamte Historie des UFO Phänomens mit Beginn des Kalten Krieges bis in die Neuzeit abdeckt und kritisch hinterfragt.

Direktlink zum Archiv: CENAP-Report Archiv

Der „CENAP Report“ war ein deutschsprachiges Magazin welches sich von 1976 bis 2007 kritisch mit dem UFO Phänomen und den daran beteiligten selbst ernannten Forschern und Buchautoren auseinander gesetzt hat. In den 31 Jahren sind so 305 Ausgaben mit insgesamt mehr als 13.800 Seiten an Informationen rund um einen der größten Mythen der Popkultur entstanden. Die nun in digitaler Form kostenfrei zur Verfügung stehenden Ausgaben decken das gesamte Themenspektrum ab. So werden weltberühmte Mythen wie der angebliche UFO Absturz bei Roswell 1947 oder die geheime Militärbasis Area 51 ebenso rational erklärt, wie bspw. Deutschlands berühmtester UFO Vorfall der Lichterformationen über Greifswald 1990. Klassiker wie die fliegenden Dreiecke über Belgien, das UFO Entführungsphänomen oder angebliche Nazi-Flugscheiben finden in diesem Archiv ebenso eine rationalen Erklärung wie UFO Sichtungsfälle aus Deutschland der letzten sieben Jahrzehnte.

„Als wir 2014 mit der Digitalisierung begannen, ahnten wir nicht, dass sich das Projekt vier Jahre bis zu seiner Fertigstellung hinziehen würde. Umso mehr freut es uns nun dieses einzigartige Archiv und Lebenswerk von Deutschlands bekanntestem UFO Phänomen Enthüller, Werner Walter, für alle Interessierte an paranormalen Phänomenen weit über das UFO Phänomen hinaus, bereit stellen zu können“, sagt Dennis Kirstein von ufo-information.de.

In den Monaten nach dem Projektstart sind die ersten 160 Ausgaben digitalisiert und online gestellt worden. In Zusammenarbeit mit dem schwedischen AFU (Archives for the Unexplained) wurde in den Folgejahren die zweite Hälfte des Archivs digitalisiert. So sind alle Ausgaben auch auf der schwedischen Webseite der AFU mittlerweile verfügbar. Auf ufo-information.de gibt es zusätzlich zum Download noch das jeweilige Titelbild sowie eine stichwortartige Inhaltsangabe jeder Ausgabe damit Suchende nach bestimmten Themen schneller ans Ziel finden. So wurde das Archiv seit seiner Entstehung 2014 bis heute (Dezember 2018) bereits knapp 45.000 mal von Interessierten in Anspruch genommen. "Es ist schön zu sehen, dass die jahrzehntelange Arbeit von Werner Walter und seinen Mitstreitern weiterlebt und noch von heutigen Interessierten am Phänomen genutzt wird", so Dennis Kirstein.

Werner Walter, früherer Herausgeber des „CENAP Report“, Leiter der deutschen UFO Meldestelle und bekannt aus Presse und TV, ist 2016, vor Vollendung des Archivs, überraschend verstorben. Das UFO Archiv ist sein Lebenswerk aus vier Jahrzehnten kritischer Untersuchung des UFO Phänomens.


NASA-Forscher fordert UFO-Forschung bei SETI

Der NASA-Wissenschaftler Silvano P. Colombano, studierter Biophysiker und Informatiker am Ames Research Center der NASA in Moffet Field, sogte dieser Tage mit einem Weißbuch ("White Paper") für Aufregung, das den Titel "New Assumptions to Guide SETI Research" trägt, auf Deutsch etwa: "Neue Ansätze als Leitfaden der SETI-Forschung". Darin fordert er, angesichts unseres aktuellen Verständnisses über das Alter von Planetensystemen, die möglicherweise Leben hervorbringen könnten, die Abkehr von einigen bisher bevorzugten Vorstellungen über außerirdisches Leben und außerirdische Intelligenz und formuliert verschiedene Punkte als Empfehlung für einen neuen, "aggressiveren" Ansatz in der SETI-Forschung.

Das 1 1/2-seitige Papier kann über den Technical Report Server der NASA heruntergeladen werden.


Logo zum SETI Workshop "Decoding Alien Intelligence" (Quelle: SETI)


Was steht in dem Papier?

Als Hintergrund führt Colombano jüngste Entdeckungen des Kepler-Weltraumteleskops an, das Planetensysteme mit einem Alter bis zu 11,2 Mrd Jahre identifizert hat. "In Anbetracht dessen, dass unser eigenes Sonnensystem erst knapp 4,5 Mrd. Jahre alt ist, könnten erdähnliche Planeten existieren, die bis zu 6 Mrd. Jahre älter sind. Berücksichtigt man weiter, dass unsere eigene technologische Entwicklung erst vor knapp 10.000 Jahren begonnen hat, und wissenschaftliche Methoden gerade einmal vor knapp 500 Jahren entstanden, so können wir uns nur schwer vorstellen, wohin unsere eigene technologische Entwicklung innerhalb der nächsten 1.000 Jahre führt, geschweige denn, wie diese nach dem 6-Millionenfachen dieser Zeit aussehen würde."

Angesichts dieser Zahlen müssen wir, so Colombano, unsere liebsten Vorstellungen überprüfen. Dazu zählt er vier Prämissen auf, die seiner Ansicht nach revidiert werden müssen. Die nachfolgenden Ausführungen übersetzen wir aus dem genannten Papier:

"1. Interstellares Reisen ist unmöglich oder sehr unwahrscheinlich.
Entfernungen und Energiebedarf sind eindeutig unüberwindbare Probleme für unsere derzeit verfügbaren Technologien und unser gegenwärtiges Verständnis der Physik, noch sind wir in der Lage, Möglichkeiten für ein größeres Verständnis und die Kontrolle von Materie-Energie und Raumzeit zu ergründen. Selbst wenn die Lichtgeschwindigkeit weiterhin eine ungebrochene Barriere bleibt, könnten Zivilisationen möglicherweise interstellare Reisen über mehrere tausend Jahre hinweg unternehmen, abhängig davon, welche Annahmen wir über die Lebensformen machen, die sie beinhalten (s.u.).

2. Radiowellen bleiben die bevorzugte Kommunikationsform der nächsten Tausend oder Millionen Jahre.
Ich vermute, dass, auch wenn das Radiomedium weiterhin verwendet wird, das Verpacken von Informationen darin soviel größer wäre, dass wir darin keine 'Struktur' erkennen könnten und nicht in der Lage wären, es von Signalrauschen zu unterscheiden, es sei denn, eine Zivilisation würde sich tatsächlich dazu entschließen, es als Funkfeuer zu benutzen. Selbst mit dieser Absicht könnte diese Form der Kommunikation bereits schnell obsolet geworden sein und sie könnten andere Arten von Funkfeuer für Zivilisationen wählen, die sich näher an ihrem eigenen Entwicklungsstand befinden. Ob und wie sich Zivilisationen entscheiden zu kommunizieren, könnte auch ein fruchtbares Feld technologisch-soziologischer Studien sein.

3. Intelligente Zivilisationen würden auf Kohlenstoff basieren.
In Anbetracht der gemeinsamen Präsenz von Elementen, die am Ursprung des Lebens im gesamten Universum beteiligt gewesen sein könnten, ist es eine vernünftige Annahme, dass das Leben 'so wie wir sind es kennen'  ein gemeinsamer Ausgangspunkt ist, aber unsere Lebensform und Intelligenz könnte nur eine kleiner erster Schritt in einer kontinuierlichen Entwicklung sein, die Formen der Intelligenz hervorbringen kann, die unserer weit überlegen sind und nicht mehr auf Kohlenstoff basiert. Nach gerade mal 50 Jahren Computerentwicklung sprechen wir bereits über 'Superintelligenz' und darüber, eins mit Computerintelligenz zu werden. Ich will an dieser Stelle nicht das Problem des Überlebens unserer Spezies ansprechen oder ihre künftige 'Rolle' in einer kontinuierlichen Entwicklung über Millionen von Jahren. Ich möchte einfach darauf hinweisen, dass die Intelligenz, die wir finden könnten, und die sich vielleicht entscheidet auch uns zu finden (falls sie es nicht bereits hat), nicht auf Kohlenstofforganismen beruht, wie wir. Wie könnte das die obige Annahme über interstellare Reisen ändern? Unsere typische Lebensdauer wäre keine Einschränkung mehr (obwohl dies auch mit Mehrgenerationen-Missionen oder verringerter körperlichen Aktivitäten [Anm.: Bspw.durch Stasis/Kälteschlaf] erreicht werden könnte) und die Größe des 'Erforschers'  könnte die einer extrem winzigen, superintelligenten Lebensform sein. Und wie würde das unsere Annahmen über Offenheit oder dem Verlangen mit anderen Zivilisationen zu kommunizieren verändern?

4. Wir wurden und werden nicht besucht
Es scheint mir, dass SETI (zumindest offiziell) die potentielle Relevanz des UFO-Phänomenens aus drei Gründen ignoriert: 1) Die Annahme einer extrem niedrigen Wahrscheinlichkeit von interstellaren Reisen, 2) Die sehr hohe Wahrscheinlichkeit von Schwindel, falsche Wahrnehmungen oder psychologische Ereignisse im UFO-Phänomen und 3) der allgemeinen Vermeidung des Themas durch die wissenschaftliche Gemeinschaft. Ich denke, der Ansatz, den die wissenschaftliche Gemeinschaft stattdessen wählen könnte, könnte dem gleichen, den SETI bis jetzt angewandt hat: Finde das Signal im Rauschen. In der sehr großen Menge von 'Rauschen' in den UFO-Berichten könnten 'Signale' sein, allerdings kleine, die auf einige Phänomene hindeuten, die nicht erklärt oder bestritten werden können. Wenn wir einen Satz von neuen Prämissen darüber annehmen, welche Formen höherer Intelligenz und Technologie wir finden könnten, könnten einige dieser Phänomene in bestimmte Hypothesen passen und wir könnten eine ernsthafte Untersuchung beginnen."

Nach der Krtitik dieser vier Prämissen hebt Colombano die Chancen hervor, die sich aus den neuesten Entdeckungen des Kepler-Teleskops zu erdähnlichen Planeten ergeben, "... um unsere Aufmerksamkeit auf die Entdeckung von Lebenszeichen und Technoloigie in ausgewählten Planetensystemen zu konzentrieren." Allerdings müssten wir hier flexibler in unseren Annahmen sein, "... da die potentiell gewaltigen zeitlichen Unterschiede in den Evolutionen zwischen uns und den anderen die Wahrscheinlichkeit eines sich gleichenden Entwicklungsstand sehr gering werden lässt."

Als Schlussfolgerung fordert Colombano dann einen "aggressiveren" Ansatz für die zukünftige SETI-Forschung, bestehend aus vier Punkten:
"1. Physiker, die sich in dem engagieren, was wir als 'spekulative Physik' bezeichnen, die zwar weiterhin auf ebenso bewährten wie soliden Theorien basiert, jedoch den Willen hat, die Möglichkeiten der Natur von Raum-Zeit und Energie auszuweiten.
2. Engagierte Techniker, die sich der futuristischen Erforschung von Fragen widmen, wie sich Technologien entwickeln könnten, unter anderem die so gen. Künstliche Intelligenz, 'evolvierbare Robotersysteme' und die Symbiose von Biologie und Maschinen.
3. Soziologen, die sich in Spekulationen darüber engagieren, welche Art von Gesellschaften wir auf der Grundlage der oben diskutieren Entwicklungen erwarten können, und ob und wie diese entscheiden könnten, zu  kommunizieren.
4. Berücksichtigung des UFO-Phänomens als erforschenswert, im Sinne eines Systems mit einem sehr schwachen Signal-Rausch-Verhältnis, jedoch mit der Möglichkeit, einige unserer Annahmen in Frage zu stellen und auf neue Möglichkeiten der Kommunikation und Entdeckung hinzuweisen."

Ergänzend empfiehlt er zur Untersuchung von UFO-Berichten eine "Big Data Analyse (...) auf mehrere exisiterende Datenbanken, wie die 130.000 Seiten deklassifizierter U.S. Air Force-Dokumente, der National UFO Reporting Center Database [NUFORC] und verschiedener anderer internationaler Datenbanken."

Wie ist das Ganze einzuordnen?

Wichtig ist der Gesamtkontext, in dem das Papier entstand, und der in den sonstigen Veröffentlichungen dazu kaum oder gar nicht erwähnt wird. Dieses Weißbuch ist nicht gerade neu, es war Teil des "SETI Decoding Alien Intelligence Workshop" zur Untersuchung verschiedener Ideen zur Erkennung extraterrestrischer Technologie, der im März 2018 stattfand. Unter den Teilnehmern waren verschiedene namhafte Persönlichkeiten, wie David Grinspoon und Jason Wright, um nur einige zu nennen. Colombanos Arbeit ist dabei nur eine von insgesamt 21 Veröffentlichungen, die nach diesem Workshop zur Verfügung gestellt wurden.

Leider geht das Internet mit Nachrichten zu Aliens oder UFOs oftmals nicht sachlich um bzw. verbreitet gerne auch Gerüchte, Halbwahrheiten oder Falschmeldungen. Das vorliegende Papier bedeutet so bspw. nicht, wie in anderen Schlagzeilen behauptet, dass die NASA Beweise dafür hat, dass es Außerirdische gibt und ebensowenig, dass die NASA außerirdische Aktivitäten auf unserem Planeten "einräumt".
Es ist auch kein NASA-Papier, sondern das eines beteiligten Forschers und auch eher ein Vorschlag als eine Behauptung. Es ist eine kurz gefasste Argumentation, warum wir einen neuen und "aggressiveren" Ansatz verwenden sollten, um Leben im Universum zu finden, einschließlich einer "ernsthaften Untersuchung" von UFOs. Die vorgebrachten Überlegungen und Argumente sind auch nicht unbedingt neu und wurden bzw. werden auch in Reihen der Wissenschaft diskutiert, wie bspw. Möglichkeiten einer künftigen Raumfahrt, futuristische Möglichkeiten, wie Wurmlöcher, "Warp-Antrieb", etc, ebenso wie zukünftige Entwicklungen der Robotik und Kybernetik. Im Grunde führt er die Diskussion zum Fermi-Paradoxon fort, indem er fragt, wo sind all die Außerirdischen?

Die von Colombano kritisierten Prämissen beruhen auch weniger auf "Dogmen", wie anderweitig behauptet, sondern schlicht auf derzeit als wahrscheinlich geltenden Annahmen. Seine Argumentation ist dabei auch eher spekulativ und allgemein gehalten und gleicht mehr theoretischen Überlegungen. Das Grundproblem dabei, da wir nicht wissen, wie eine alternative interstellare Kommunikation ablaufen kann, bzw eine zukünftige "Superintelligenz" oder nicht-kohlenstoffbasierte Lebensform aussieht oder sich verhält, solange wissen wir auch nicht, wonach wir suchen sollen oder wie wir es erkennen können.
Die Argumentation über frühe Zivilsationen aufgrund sehr alter Planetensysteme berücksichtigt auch nicht, dass im frühen Stadium des Universums noch nicht alle heute vorhandenen Elemente, die als Grundlage zur Entstehung des Lebens angesehen werden, überhaupt oder in ausreichender Menge vorhanden waren, bzw. sich auch erst über eine längere Zeit bilden und verbreiten mussten. Allerdings dürften einer technischen Zivilsation bereits Jahrhunderte oder Jahrtausende ausreichen, um erhebliche technologische Fortschritte zu erreichen, worauf er auch hinweist.

Was hat es mit der geforderten Untersuchung und Einbeziehung des UFO-Phänomens auf sich?

Das Erstaunliche an diesem Papier ist der explizite Verweis auf das UFO-Phänomen als ein Untersuchungsfeld, das ernsthafte Aufmerksamkeit verdient, wenn diskutiert wird, wie extraterrestrische Intelligenz erreicht oder wahrgenommen werden kann. Es dürfte auch das erste Mal sein, dass in diesem Zusammenhang auf das UFO-Phänomen verwiesen wird und es sozusagen offiziell, "schwarz auf weiß" in einem Dokument auf einem NASA-Server zu lesen ist. Es gibt sicher verschiedene Interpretations-möglichkeiten, was die Verbindung des Phänomens mit SETI und Alien-Kommunikation genau bedeutet. Im Wesentlichen kommt es Colombano darauf an, dass wir nicht ausschließen können, dass "sie" uns bereits besucht haben, oder dass das Phänomen eine Manifestation einer Alien-Kommunikation ist. Dies hat er auch gegenüber Life Science betont, wo er die teils nicht korrekte Darstellung kritisiert: "Es ist nicht genau dargestellt, meine Perspektive war einfach, dass Berichte über nicht identifizierte Luftphänomene Gegenstand ernsthafter Studien sein sollten, auch wenn die Chance, eine außerirdische Technologie zu identifizieren, sehr gering ist." Er hält es also theoretisch für denbkbar und lohnenswert, Beweise dafür zu suchen, aber er erwartet nicht, dass dies in jedem Fall auch eintritt.

Mit gemischten Gefühlen dürfte die pauschale Verbindung des UFO-Phänomens mit Aliens bei den eher kritischen und um eine differenzierte Untersuchung des Phänomens bemühten, seriösen Forschern aufgenommen werden. Kritische Forscher sehen bspw. nicht nur die ET-Hypothese als diskutabel an, sondern auch alternative Hypothesen, wie bspw. atmosphärische/ physikalische Anomalien oder auch skeptische Ansätze, die ohne Anomalien auskommen, wie die Composite and Reductionist Theory.
Als zutreffend halten wir jedoch den Hinweis auf ein Phänomen mit "sehr niedrigem Signal-Rausch-Verhältnis", also dass in einem großen Rauschen, bestehend aus Missidentifikationen, falschen Wahrnehmnungen, Schwindel und psychologischen Ursachen, wie Colombano selber richtig feststellt, ein nur kleiner Anteil an ungeklärten Berichten übrig bleibt. Er trifft also eine sehr vorsichtige Einschätzung. Das bestätigt auch die seriöse UFO-Forschung, die von einer Restrate von unter 10% aller gemeldeten Berichte ausgeht, die als ungeklärt übrig bleiben. Coloimbano behauptet also nicht, dass die Realität von UFOs nicht geleugnet werden kann, sondern dass irgendwo in der Masse der UFO-Daten Beweise für ein echtes Phänomen vorliegen können. Ob wir das als solches erkennen, ist eine andere Frage. Im Grunde ist gerade aufgrund des erwarteten "schwachen Signals" die Feststellung und der Aussschluss fehlinterpretierter IFOs auch dier Ausgangspunkt jedweder UFO-Forschung bevor man zu Schlussfolgerungen und Behauptungen aus UFO-Sichtungen springt. Letzteres sollte nicht der erste Schritt sein.

Da Er glaubt, dass sich irgendwo in den UFO-Sichtungsdaten Informationen befinden, die auf einen möglichen außerirdischen Kontakt hindeuten könnten, von einer Form, die wir nicht erwarten können, empfiehlt er eine Big Data-Analyse auf mehreren vorhandenen UFO-Datenbanken. Er spricht dabei nicht von "Mutterschiffen", riesigen dreieckigen Flugkörpern oder von Untertassen, die in einer Wüste gefunden wurden, nicht über mumifizierte außerirdische Hybriden oder eine Aktentasche voller Moscovium, das in einer Zehntelsekunde in andere Elemente zerfällt. Er spricht über Dinge, die wir uns noch vorstellen können, aber deren Möglichkeiten ernsthaft geprüft werden sollen. Allerdings beinhaltet eine soilche Big Data-Analyse auch einen erheblichen Schwachpunkt: Damit würde er genau das große Rauschen, sprich die IFOs, mit einbeziehen, da in den Datenbanken, wie bspw. die des erwähnten NUFORC, der Canadian UFO Survey oder auch der deutschen UFO-Datenbank, sämtliche Sichtungen registriert werden, also auch die dem Rauschen zuzuordnenden, geklärten Fälle. Zudem sind hier i.d.R. auch Sichtungsmeldungen enthalten, die noch gar keiner qualifizierten Untersuchung und Beurteilung zugeführt wurden, also zu dem Zeitpunkt noch gar keine Aussagekraft haben. Auch gibt es Datenbanken wie die des National Aviation Reporting Center on Anomalous Phenomena (NARCAP), die eine reine Sammlung von Sichtungsberichten enthalten, teils auch anonym. Eine solche Big Data-Analyse würde also keine brauchbaren Erkentnnisse zum ungeklärten Kern, im Sinne der angestrebten SETI-Forschung bzw. eines außerirdischen Kontakts, beitragen.

Gleichzeitig ist genau dieses "sehr kleine Signal" auch das Problem, da es viele Diskussionen und abweichende Meinungen innerhalb der UFO-Forscherszene gibt, welche Fälle nun darunter fallen. Forscher und Forschungsgruppen favorisieren jeweils oft abweichend Fälle, die sie aus ihrer Sicht für ungeklärt halten. Das führt wiederum zum zentralen Problem der (privaten) UFO-Forschung: Fehlende und insbesondere einheitliche Standards bei der Falluntersuchung und -beurteilung, keine einheitlichen Klassifikationsysteme sowie fehlende Dokumentationen zu Arbeitsprozessen und angewandter Methodik in der Fallermittlung, was sich auf die mangelnde Transparenz und Nachvollziehbarkeit der eigenen Arbeit und deren Ergebnisse auswirkt. Auch wenn es dazu Ansätze zur Verbesserung gibt, so bleibt dazu noch eine Menge zu tun.

Interessante Forschungsfragen zum UFO-Phänomen gibt es eine ganze Menge, auch jenseits der Fokussierung auf die ET-Hypothese und aus unterschiedlichen Sichtweisen und Ansätzen, sowohl objekt- als auch subjektzentriert. Auch ist das Phänomen durchaus bereits Bestandteil einer ganzen Reihe an akademischen und wissenschaftlichen Publikationen, bis hin zu Dissertationen, wie auf unserer Seite zu Studien zu sehen ist.
Forderungen nach einer akademischen bzw. wissenschaftlichen Erforschung des UFO-Phänomens werden prinzipiell gerne mit Applaus aus der UFO-Szene bedacht, da sie auch selber dieses wiederholt fordert. Allerdings sollten wir alle in der Szene auch selbstkritisch überprüfen, was wir selber dazu beitragen können, und ob die eigene Arbeit diesen Ansprüchen genügt (s.o.). Auch hinsichtlich der Forderung nach Freigabe offizieller UFO-Dokumente sollte die UFO-Szene selber mit gutem Beispiel vorangehen und eigene Falldokumentationen frei einsehbar zur Verfügung stellen. Man kann aber prinzipiell die Thematisierung des UFO-Phänomens im vorliegenden Kontext als positiv ansehen, da sie zu einer sachlicheren allgemeinen Diskussion beitragen kann.


Quellen:
Weißbuch von Colombano auf dem NASA Technical Reports Server
Seite zum SETI Workshop "Decoding Alien Intelligence"
Seite mit den insgesamt 21 Publikationen aus dem Workshop
Bericht auf ScienceAlert
Bericht auf LifeScience
Bericht auf dem Ufology Research Blog
Bericht auf Above Top Secret

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