UFOs im Pariser Parlament

Ein Kolloquium zu UFOs im Palais-Bourbon: Nicht nur ein Medienthema

Am 29. Juni 2026 fand in der französischen Nationalversammlung ein Kolloquium zu nicht identifizierten Luftraum-Phänomenen statt, im Französischen als PAN (phénomènes aérospatiaux non identifiés) bezeichnet, das Pendant zu UAP. Schon der Ort machte deutlich, worum es den Veranstaltern ging: Nicht um Spektakel, nicht um die politische Aufwertung von Außerirdischen-Narrativen, sondern um die nüchterne Behandlung eines Themas, das seit Jahrzehnten zwischen Faszination, Spott und Verdacht auf Verschwörungsdenken pendelt. Das zeigte sich auch an den beteiligten Forschern.

Organisiert wurde die Veranstaltung von den Abgeordneten Arnaud Saint-Martin und Pierre Henriet. Beide kommen aus unterschiedlichen politischen und fachlichen Zusammenhängen, verbanden sich hier aber in einem gemeinsamen Anliegen: Die Forschung zu PAN (aka UAP) soll „jenseits der Fantasmen“ diskutiert werden. Pierre Henriet erklärte, man müsse zeigen, dass sich solche Phänomene rational untersuchen lassen und dass die Arbeit von Experten im Vordergrund stehen sollte.

Weg vom Mythos, hin zur Methode

Damit benannten die Initiatoren ein zentrales Problem der UFO/UAP-Forschung sehr präzise. Es geht nämlich nicht nur um eine schwierige Datenlage. Es geht ebenso um die soziale Rahmung des Themas und dessen Behandlung in der Wissenschaft. Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung des Kolloquiums. Die Frage nach UFOs wurde nicht als Popkultur-Thema oder als Bühne für große Behauptungen verhandelt, sondern als Gegenstand öffentlicher Wissensorganisation. Dahinter stehen einfache, aber wichtige Fragen: Wie geht ein Staat mit Beobachtungen um, die sich nicht sofort erklären lassen? Wer sammelt solche Meldungen und wie werden sie geprüft?

Pierre Henriet formulierte es besonders klar. Statt den Eindruck zu nähren, es werde etwas verborgen, müsse gezeigt werden, dass man solche Phänomene rational untersuchen könne und dass dabei die Arbeit von Fachleuten im Vordergrund stehen solle. Das Kolloquium sollte dazu eine Bestandsaufnahme des wissenschaftlichen Kenntnisstands zu PAN leisten und auch die zur Verfügung stehenden Mittel thematisieren solle. Das ist ein wichtiger Punkt. Denn dadurch verschiebt sich die Debatte weg von der vorschnellen Frage „Was war das?“ hin zu der methodisch viel produktiveren Frage: „Wie gehen wir mit solchen Beobachtungen wissenschaftlich und institutionell um?“

Die Schlüsselrolle der GEIPAN

Besonders aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang die Rolle der GEIPAN, die beim französischen Raumfahrtzentrum CNES angesiedelten Dienstes zur Sammlung und Auswertung entsprechender Beobachtungen. Direktor Frédéric Courtade betonte, dass die Aufgabe des GEIPAN ausdrücklich auch in der öffentlichen Information liege, etwa durch die Öffnung von Archiven. Ziel ist weder Geheimniskrämerei noch Sensationalisierung, sondern ein kontrollierter, nachvollziehbarer Umgang mit einem schwierigen Gegenstand. Zugleich zog Courtade aber eine klare Grenze: Die GEIPAN betreibe keine eigene „Ufologie“ als Forschungsprogramm innerhalb des CNES. Vertiefende wissenschaftliche Arbeit müsse von Wissenschaftlern und Universitäten geleistet werden.

Gerade diese Unterscheidung ist wichtig. Sie macht deutlich, dass staatliche Stellen hier primär als Sammel-, Prüf- und Bewertungsinstanzen auftreten. Sie dokumentieren und klassifizieren, ohne daraus automatisch weitreichende Deutungen abzuleiten.

Was die Zahlen tatsächlich sagen

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Fallzahlen. So bearbeitet die GEIPAN pro Jahr mehrere Dutzend bis zu 200 Fälle. Von allen untersuchten Berichten bleiben demnach nur 3,1 Prozent in der Kategorie D, also unidentifiziert, nach abgeschlossener Untersuchung bei ausreichender Datenlage. Zum einen bestätigt sie die bestehende jahrzehntelange Forschungsarbeit meist privater Organisationen und deren Ergebnisse, dass der weitaus größte Teil gemeldeter Phänomene am Ende identifiziert, wahrscheinlich identifiziert oder mangels ausreichender Daten nicht belastbar eingeordnet werden kann. Zum anderen erklärt sie, warum sich die Aufmerksamkeit so stark auf einen kleinen Restbestand konzentriert. Gerade die wenigen ungeklärten Fälle wirken besonders anziehend, weil sie sich dem vorhandenen Instrumentarium zu entziehen scheinen.

Dabei wurde auch auf die Grenzen des Materials hingewiesen. Zeugenaussagen hängen von Wahrnehmung, Erinnerung, kultureller Prägung, Ausbildung und Überzeugungen ab. Aber auch instrumentelle Daten wie Fotos, Videos oder technische Aufzeichnungen sind nicht frei von Grenzen. Der Rest des Unerklärten ist deshalb nicht automatisch ein Beweis für das Außergewöhnliche. Zunächst markiert er die Grenze dessen, was sich mit den vorhandenen Mitteln sicher rekonstruieren lässt. Ein wichtiger Punkt.

Warum die Zusammensetzung des Kolloquiums zählt

Zum Kolloquium waren laut den Berichten nicht nur Vertreter der GEIPAN eingeladen, sondern auch Repräsentanten des Verteidigungsministeriums, des Krisenmanagements, mehrere Soziologen sowie Vertreter der Sigma2-Kommission der 3AF vertreten und vom Nachrichtenmedium Sentinel News. Zudem kamen Ingenieure, zivile und militärische Piloten sowie Beobachter zu Wort. Unter den Anwesenden fanden sich auch der bekannte französische UFO-Forscher Jacques Vallée, der deutsche Soziologe und Politikwissenschaftler Christian Peters und Edoardo Russo von der italienischen CISU und EuroUFO.net. Diese Zusammensetzung zeigt, dass das Phänomen nicht sinnvoll auf eine einzige Disziplin reduziert werden kann. Wer solche Phänomene ernsthaft untersuchen will, braucht technische und Datenkompetenz, Erfahrung mit Luft- und Raumfahrt, Wissen über Wahrnehmungs- und Deutungsmuster sowie eine reflektierte Wissenschaftskommunikation. Das Thema ist weder rein naturwissenschaftlich noch rein kulturwissenschaftlich. Es liegt an einer Schnittstelle, an der mehrere Perspektiven zusammengeführt werden müssen.

Der amerikanische Einfluss bleibt groß

Deutlich wurde auch, dass die französische Diskussion vom amerikanischen Kontext beeinflusst ist. So verwies Saint-Martin darauf, dass 89 Prozent der weltweiten Meldungen aus den Vereinigten Staaten kämen. Außerdem wurde das Kolloquium in den Zusammenhang jüngster Pentagon-Veröffentlichungen gestellt, von deren Logik sich die Organisatoren gerade absetzen wollten. In den USA wird das Thema immer wieder in eine Mischung aus Sicherheitsdiskurs, Geheimhaltungsverdacht, Spekulationen über Aliens und abgestürzte UFOs und Popkultur eingespeist. Das Kolloquium unternimmt demgegenüber den Versuch, eine stärkere wissenschaftsnahe Sprache zu etablieren und aufzuzeigen, dass sich auch ein emotional aufgeladenes Thema in einen sachlichen Rahmen stellen lässt.

Fazit

Aus der Sicht der wissenschaftlich-kritischen UFO-Forschung ist dieses Pariser Kolloquium vor allem wegen seines institutionellen Signals bedeutsam. Nicht neue Enthüllungen und Erzählungen von Whistlleblowern stehen im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie eine Öffentlichkeit mit anomalen, aber nicht automatisch spektakulären Beobachtungen umgeht. Die seriöse Beschäftigung mit nicht identifizierten Phänomenen darf weder in reflexhaften Glauben noch in reflexhaften Spott kippen. Wenn Michael Vaillant fordert, die Wissenschaft wieder ins Zentrum zu rücken, während Pierre Lagrange vor einer gesellschaftlichen Obsession mit dem Irrationalen und vor verschwörungskulturellen Verzerrungen warnt, dann markieren beide Positionen gemeinsam einen sinnvollen Korridor: Offen für Anomalien, streng in der Methode und vorsichtig in der InterpretationDas Kolloquium in der Nationalversammlung war deshalb kein „Treffen der dritten Art“, sondern eher ein Schritt hin zu einer aufgeklärten Verwaltung des Nicht-Erklärten.

Einen grundsätzlich positiven Eindruck vermittelte auch der italienische Forscher Edoardo Russo von der CISU, der mit weiteren Kollegen daran teilnahm und seine Eindrücke in einem Online-Meeting von EuroUFO teilte. Auch er betonte die Distanzierung von dem Sensations-UAP-Hype in den USA und dass es künftig auch weitere Aktivitäten in diesem Rahmen geben soll.

Eindrücke vom Kolloquium (Screenshots aus Videos von 3AF)

 

Links:
Zeitungsartikel von 20 Minutes
Zeitungsartikel von LCP
Videos von 3AF vom Kolloquium
UAP Colloquium in Paris Parliament: full recording available (EuroUFO)
Four Days in Paris: an Overview (EuroUFO, nicht öffentlich)

 

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  ufoinfo.de bietet grundlegende Informationen zum UFO/UAP-Phänomen und dessen Untersuchung. Ferner liegt ein Schwerpunkt auf Forschungen zu psychologischen Implikationen zu UAP. Grundlage ist ein offener und wissenschaftlich-kritischer Ansatz.

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