Das Calvine UFO, ein Weihnachtsstern?

Das bislang nur als eine Schwarzweiß-Kopie in schlechter Qualität bekannte Calvine UFO-Foto aus dem Jahr 1990 gelangte zu neuer Berühmtheit, nachdem der britische UFO-Forscher Dr. David Clarke einen bislang unbekannten Fotoabzug jenes Fotos erhielt, das die Szenerie in deutlich besserer Qualität zeigt. Im Anschluss berichteten mehrere Medien darüber und auch weil manche, wie Clarke, die das bislang eher als Schwindel ansahen, es nunmehr als eher authentisch betrachten, steht der Fall aktuell wieder im Fokus der Diskussion. Die Seite UAPMedia UK widmet dem Foto eine eigene Seite und es gibt bereits eine erste Analyse des neuen Fotos, das zwar eine nachträgliche Manipulation verneint, jedoch Größe und Entferung nicht eindeutig bestimmen kann. Dan Zetterström (Twitter @TheZignal) hat eine hochauflösende Version des Fotos bereitgestellt.

Viele, die das Foto für authentisch halten, sehen allerdings weniger einen außerirdischen Ursprung, als vielmehr den Flug eines Geheimprojektes, was allerdings derzeit auch rein spekulativ ist. Daneben gibt es denoch kritische Reflektionen und diverse Erklärungsversuche. Auch sind viele Fragen ungeklärt und die beiden Fotografen nach wie vor unbekannt. Auch sind die Negative sowie weitere Fotos (insgesamt 6) verschwunden. Steven Greenstreet hat einige offene Fragen in einem Thread auf Twitter zusammengestellt.

Auf Metabunk finden sich mehrere Threads zum Calvine Foto, die diverse Erklärungs-Theorien diskutieren, wie ein Drachen, eine (umgedrehte) Spiegelung in einem kleinen See oder auch ein Berggipfel über dem Tiefnebel, da man angeblich unter dem Objekt die entfernten Hügel und Berghänge sehen müsste, was aber immer auch eine Frage der genauen Blickrichtung und Perspektive ist, oder auch kleine Objekte nah vor der Kamera, aufgehängt an den zu sehenden Ästen.

Bei der Diskussion um einen bewussten Schwindel muss berücksichtigt werden, dass dieses Motiv eines UFOs, gemeinsam mit einem Flugzeug, auf einem Foto zu der Zeit bereits auf diversen UFO-Fotos zu sehen war, darunter auf den bekannten, gefälschten Amaury Rivera-Fotos. Es wäre also nicht abwegig, dies als eine mögliche Motivation der beiden jüngeren (unbekannten) Fotografen anzunehmen.

Der belgische UFO-Forscher Wim van Utrecht hat zu diesem Foto eigene Überlegungen angestellt und auf eine verblüffende Ähnlichkeit zu Weihnachtssternen hingewiesen, inklusive dem rechts am Objekt zu sehenen “Knubbel”. Seine Überlegungen dazu hat er ein einem kleinen Artikel zusammengefasst, den er uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat und den wir nachfolgend in deutscher Übersetzung abdrucken. Wir halten diesen Erklärungsansatz für diskussionswürdig, sehen aber bereits Vorbehalte demgegenüber, da es etwas derartig Banales ja nicht sein könne. Manchmal ist es aber einfach so und genau deswegen nehmen wir prinzipiell Abstand von vorschnellen Festlegungen auf “bestes UFO-Foto” oder “authentisch” etc. Denn dann ist es natürlich persönlich schwierig, eine derartig “einfache” Erklärung zu akzeptieren und weicht auf andere "anspruchsvollere" Erklärungen aus.

» Der Artikel von Wim van Utrecht kann hier im englischen Original heruntergeladen werden «

Ein UFO mit einem hohen X(-mas)-Faktor

Als ich vor einem Jahr den Calvine-Vorfall in einem von David Clarke gestarteten E-Mail-Thread diskutierte, erwähnte ich die Existenz einer Serie spektakulärer UFO-Bilder aus Puerto Rico. Es handelte sich um eine Reihe weithin veröffentlichter Fotos, die der Entführte Amaury Rivera im Mai 1988 aufgenommen hatte. Wie sich später herausstellte, zeigten die Fotos ein künstliches Modell und ein Miniaturflugzeug. Beide Objekte waren an den Ästen der Bäume aufgehängt worden, die auf dem unten eingefügten Foto zu sehen sind. Weitere Informationen zu diesem Fall finden Sie auf dem Blog El Ojo Critico (leider nur auf Spanisch).


(Quelle: Federazione Ufologica Italiana https://www.federazioneufologicaitaliana.org/ufo-discoidale/)

Die Theorie, dass der Vorfall in Puerto Rico die Autoren der Calvine-Fotos zu einem eigenen Streich inspiriert hat, scheint nicht weit hergeholt zu sein. Die Fotos sehen sich recht ähnlich, und es ist gut möglich, dass die beiden Schotten dieselbe Technik verwendet haben. Schließlich tauchen auch bei ihnen im oberen Teil der Aufnahmen Äste auf. Dieses Detail sollte immer Verdacht erregen, vor allem in Verbindung mit der Tatsache, dass es sich bei den angeblichen Zeugen um zwei junge Männer handelte, was so etwas wie ein gemeinsamer Nenner für die Täter von gefälschten UFO-Aufnahmen ist (die Cottingly-Schwestern sind die Ausnahme von dieser Regel, aber da ging es um Feen und nicht um UFOs).

Wenn es sich um einen Streich handelt, dann ist "Hoax" ein zu großes Wort, und die angeblichen Umstände, unter denen die Fotos gemacht wurden, sollten nicht zu wörtlich genommen werden. Es gibt ein Element in der Geschichte, das tatsächlich im Widerspruch zu dem steht, was das Foto zeigt. Wie Martin Shough und ich in der persönlichen Korrespondenz mit anderen Forschern feststellten, scheinen die Wolken auf dem Foto von oben beleuchtet zu sein (siehe abgedunkelte Version des Bildes unten). Dies ist keine typische Wolkenlandschaft, wie man sie bei Sonnenuntergang, der von den jungen Männern, die das Foto gemacht haben, angegebenen Zeit, erwarten würde.


Links normal, rechts abgedunkelt

Wenn es sich bei dem Bild um eine Fälschung handelt, wäre die einfachste Möglichkeit, ein unauffälliges, supermodernes Raumschiff am Himmel erscheinen zu lassen, ein kleines Objekt zu nehmen und es an einem Draht vor der Kamera aufzuhängen. Aber welches Objekt? Ich denke, der kleine Knopf auf der rechten Seite des Objekts ist der Schlüssel zur Lösung. Er erinnert an einen Ring oder eine durchbohrte Perle, die Teil eines Ornaments oder einer Medaille ist und durch die eine Schnur eingeführt werden kann. Ein solches Objekt, das mir in den Sinn kam, ist ein Stern, den man an einen Weihnachtsbaum hängen kann.

Letzterer ist nicht nur deshalb ein interessanter Kandidat, weil er einen solchen Ring oder eine solche Perle am Ende einer seiner Spitzen hat, sondern auch, weil es mehrere Weihnachtssterne zu kaufen gibt, die mit Silberglitter versehen sind. Diese raue Struktur in Verbindung mit dem hohen Reflexionsvermögen der Silberpartikel bewirkt, dass einfallendes Himmelslicht in verschiedene Richtungen gestreut wird, was der Oberfläche ein helles und gleichzeitig diffuses Aussehen verleiht. Wenn man ein solches Objekt in einen gleichmäßig beleuchteten Himmel stellt, sieht es so aus, als sei es weiter von der Kamera entfernt, als es tatsächlich ist.

Am Tag, nachdem David uns die Nachricht von dem wiedergefundenen Abdruck geschickt hatte, bestellte ich einen solchen Stern auf einer Website. Preis, einschließlich Versand: 15,34 Euro. Er kam hier am 17. August an. Der fünfzackige Stern hat einen Durchmesser von 34 cm und ist in der Mitte etwa 6 cm dick. Er ist aus Pappe gefertigt. Hier ist ein Bild des Ornaments (ich habe meine Brille daneben gelegt, um eine schnelle Vorstellung von seiner Größe zu vermitteln):

Nachfolgend sehen Sie drei Bilder, die mit unterschiedlichen ISO-Werten aufgenommen wurden und zeigen, wie der Stern aussieht, wenn er horizontal an einer Angelschnur hängt, die ich an der Vorhangschiene vor meinem (geschlossenen) Fenster befestigt habe. Beachten Sie, wie die diffuse Reflexion des Silberglitzers in der Farbe die "Arme" des Sterns fast unsichtbar macht, wenn er aus dem richtigen Winkel fotografiert wird. Beachten Sie auch, dass der Stern zwar genau so weit von der Kamera entfernt ist wie die Blätter der Monstera-Pflanze auf der rechten Seite, dass aber die beiden helleren Aufnahmen den Eindruck erwecken, dass der Stern weiter weg ist als die Blätter (leider ist die Perle in der überbelichteten Aufnahme auf der rechten Seite auf der falschen Seite).

Ich habe den Eindruck, dass die Ränder des "UFOs" auf dem Calvine-Foto und die der grasartigen Blätter oder Kiefernnadeln in der unteren linken Ecke gleich scharf abgebildet sind. Dasselbe gilt für die obige Anordnung: Die Ränder des Sterns erscheinen ebenso scharf wie die der Blätter in der rechten unteren Ecke, was nur logisch ist, da sie sich in der gleichen Entfernung befinden.

Bedenken Sie, dass der Stern auf diesen Bildern in meinem Wohnzimmer aufgehängt war und daher nicht viel Licht von oben erhielt. Idealerweise müsste ich dieses Experiment an einem geeigneteren Ort draußen durchführen. Die Perle ist auch ein kleines Problem, da ihr Gewicht den Stern in eine schräge Position zieht. Man bräuchte mehr Schnüre, um den Stern schön waagerecht zu bekommen (ich habe ihn nur an einer Schnur von der Mitte aus nach oben befestigt), oder man könnte das Modell an einem Punkt aufhängen, der etwas näher an der Stelle liegt, wo die Perle oder der Ring ist. Wenn man den Stern an zwei parallelen, horizontalen Schnüren aufhängt, geht das auch, aber am einfachsten ist es, die Kamera ein wenig zu drehen, um ihn horizontal zu bekommen. Obwohl das Ergebnis nicht schlecht ist, denke ich, dass ein kleinerer Stern mit einer raueren Textur, wie auf den drei folgenden Bildern, ein fast identisches Ergebnis wie auf dem Calvine-Foto erzielen würde.



Die Bilder wurden von ebay.com, shutterstock.com und grandado.com entnommen.

Besonders interessant ist, dass die Sterne auf den Bildern dieser Websites weiße (beschädigte?) Bereiche und schwarze Flecken aufweisen, die den Farbvariationen auf der Oberfläche des Calvine-UFOs nicht unähnlich sind. Leider konnte ich keine Website finden, auf der ich diese kleineren Sterne kaufen kann, wahrscheinlich weil es Mitte August ist und Weihnachten noch ein paar Monate entfernt ist.

Aber was ist mit dem Harrier-Jet? Ist er zufällig vorbeigeflogen, als die jungen Männer die Fotos gemacht haben? Das scheint unwahrscheinlich. Wenn man außerdem bedenkt, dass es nach Angaben der RAF "keine Aufzeichnungen über Harrier-Einsätze am angegebenen Ort zur/zum angegebenen Zeit/Datum" gab, und dass offenbar niemand sonst in der Gegend das Dröhnen der Triebwerke hörte, nach oben schaute und ein "10 Minuten lang" regungslos am Himmel schwebendes, "100 Fuß" großes, unwirklich aussehendes Fluggerät sah, vermute ich, dass es sich bei dem Flugzeug ebenfalls um ein kleines Modell handelte. Davon gibt es in Großbritannien eine Menge zu kaufen. Hier ist ein Beispiel (Maßstab: 1/144, Preis: 25 Euro):



Es gibt sie auch kleiner (Maßstab 1/600) und billiger ($ 12,58 pro Stück oder $ 22,10 für einen Satz von zwanzig):



Zusammenfassend denke ich, dass die beiden jungen Männer mit der einzigen Absicht auf den Hügel gingen, eine Reihe von UFO-Aufnahmen zu fabrizieren. Zu diesem Zweck nahmen sie ein UFO-Modell (möglicherweise ein Weihnachtsbaumstern), ein Miniatur-Harrier-Flugzeug, eine Rolle Angelschnur und eine Angelrute mit. Als sie auf dem Hügel ankamen, suchten sie einen Standort mit einem weiten, offenen Himmel auf der einen Seite und einer Baumgruppe mit waagerecht gespannten Ästen auf der anderen Seite. Genau das sehen wir auf den Bildern, die Giles Stevens an dem mutmaßlichen Aufnahmeort gemacht hat (es gibt keine bessere Stütze, um ein Modell aufzuhängen, als den Baum ganz links auf dem Screenshot, den Sie auf der nächsten Seite finden). Nachdem sie ihre Sachen ausgepackt hatten, benutzten die Männer die Angelschnur, um das UFO-Modell an einem Ast eines der Bäume aufzuhängen. Der Miniatur-Harrier wurde am Ende der Angelrute befestigt, und während einer der Männer den kleinen Harrier um die "Untertasse" herum bewegte, machte sein Begleiter die Fotos. Wenn der Miniatur-Harrier in Bewegung und nahe an der Kamera war, würde dies auch erklären, warum er auf den Bildern unschärfer erscheint als das "Flugobjekt" selbst.


(Ausschnitt aus Youtube-Video: “EXCLUSIVE: ORIGINAL CALVINE 1990 'UFO' PHOTO FOUND! REVEAL & INVESTIGATION VIDEO”)

Wir wissen, dass es der Daily Record war, der die Fotos an die RAF/das MoD weitergab, nicht die "Zeugen". Als sie im Nachhinein (über Nick Pope, dann Dave) erfuhren, dass ihre Bilder in so hohen Kreisen so viel Aufsehen erregten, haben die Witzbolde vielleicht gemerkt, dass der Scherz aus dem Ruder gelaufen war und dass es kein Zurück mehr gab. In vielerlei Hinsicht scheint der Fall Calvine eine Nachahmung dessen zu sein, was im selben Jahr mit dem legendären Petit-Rechain-Dia geschah. Auch in diesem Fall baumelte ein "UFO" an einem Baum und täuschte hochrangige Militäroffiziere und Fotoexperten auf der ganzen Welt (siehe “Triangles over Belgium - Famous Belgian UFO photo a hoax“ für eine Zusammenfassung dieser Geschichte).

Die obigen Ausführungen sind natürlich nichts weiter als eine Mischung aus Vermutungen und Intuition. Es gibt keine stichhaltigen Beweise, aber es ist auch nicht Aufgabe der Skeptiker, zu beweisen, dass etwas nicht zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort geschehen ist.

Wim van Utrecht
(Ursprüngliche Fassung: 18. August 2022 / Geänderte Fassung: 29. August 2022)


Quellen:
El caso Amaury Rivera http://ojo-critico.blogspot.com/2006/12/el-caso-amaury-rivera.html
L’UFO discoidale di Portorico ed il caso Amaury Rivera https://www.federazioneufologicaitaliana.org/ufo-discoidale/
YouTube-Video EXCLUSIVE: ORIGINAL CALVINE 1990 'UFO' PHOTO FOUND! REVEAL & INVESTIGATION VIDEO https://www.youtube.com/watch?v=IgekUVzMSCc&t=386s
CAELESTIA Triangles over Belgium https://www.caelestia.be/article05ad.html

 

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